Der passende Kühlschrank – das Herz der selbstgebauten Zapfanlage

Da unsere Zapfanlage kein Durchlaufkühler werden soll, benötigen wir einen passenden Kühlschrank. In diesem Beitrag erfährst du alles was du bei der Auswahl beachten solltest. Außerdem gebe ich dir hilfreiche Tipps wie du beim Kauf der größten Komponente für unsere selbstgebaute Zapfanlage ordentlich Geld sparst…

Size matters, oder: Auf die Größe kommt es doch an!

Bei meiner Recherche zum passenden Aufbau meiner Zapfanlage bin ich auf viele Möglichkeiten gestoßen. Für normales Bier sind vor allem Durchlaufkühler sehr beliebt. Da ich diese Variante jedoch aus diversen Gründen (siehe hier) ausgeschlossen hatte, schaute ich mich nach Alternativen um. Im Internet findet man große Standkühlschränke sowie ganze Tiefkühltruhen die zu Zapfanlagen umgebaut wurden. Und hier sollten auch die ersten Überlegungen ansetzen. Was für eine Zapfanlage möchte ich bauen? Soll es eine einfache Zapfanlage mit nur einem Schankhahn sein? Vermutlich reicht dann die schlichte Variante eines normalen Kühlschranks. Sollen zwei oder mehrere Fässer parallel gekühlt und gezapft werden können? Dann sollte der Kühlschrank über genügend Breite verfügen. Vor allem auf Youtube findet man viele Videos aus den USA (wo sich übrigens im Allgemeinen das Hobby Selbstzapfen deutlich größerer Beliebtheit zu erfreuen scheint als hierzulande) in denen komplette Tiefkühltruhen mit Zapfhähnen ausgetattet wurden. Entgegen dem beliebten Spruch kommt es also doch auf die Größe an!!! 😉

Oben ohne ist ein MUSS!

Hast du dich für die Anzahl der Zapfhähne entschieden, sollte nun der richtige Kühlschranktyp gewählt werden. Wichtig ist auch hierbei die Größe! Der Kühschrank sollte über genügend Fassungsvermögen für mindestens ein 30-Liter Fass Guinness, ggf. auch die Gaskartusche (für den privaten Gebrauch habe ich im verlinkten Kommentar bereits eine 2-Liter-Flasche empfohlen), und natürlich für die Leitungen verfügen. Sofern du einen Turmaufbau planst, der in etwa meiner Skizze aus dem letzten Beitrag entspricht, solltest du unbedingt darauf achten, dass der Kühlschrank oben ohne Gefrierfach auskommt. Denn an dieser Stelle wirst du später das Loch für die Bierleitung bohren müssen. Ein Gefrierfach wäre hier entsprechend im Weg. Außerdem sollte geklärt sein, dass hier keine Leitungen verlaufen. Wie du das heraufinden kannst, wird im nächsten Beitrag genauer beschrieben. Ich habe in einigen Videos gesehen, dass auch Kühlschränke mit Gefrierfach umgebaut wurden. Die Kühlrippen des Gefrierfaches wurden hierfür vorsichtig nach unten gedrückt und dienten dann zur Kühlung der ganzen Einheit. Allerdins möchte ich an dieser Stelle klar darauf hinweisen, dass ich diesen Aufbau nicht komplett nachvollziehen konnte. Da die Videos aus den USA kamen, gehe ich davon aus, dass es sich eher um normale Kühlschänke handelte, bei welchen die Kühleinheit einfach oben am Kühlschrank saß und nicht, wie bei deutschen Kühlschränken üblich, in der Rückwand verbaut war. Ich kenne solche Kühschränke noch von früher, meine Oma hatte sowas! Ich würde deshalb eher zu einem moderneren Kühlschrank ohne Gefrierfach raten (alleine schon weil man sich einen großen Umbau und die Neuregelung des Thermostats im Kühlschrank spart). Mein Kühlschrank verfügt über 146 Liter Nutzinhalt. Das hört sich erst mal viel an, allerdings kann die Sache schnell eng werden. Meistens haben Kühlschränke unten eine Ausbuchtung (nämlich da, wo der Kompressor sitzt), was einiges an Nutzvolumen für unser Fass kostet. Mein Fass passt dank herausnehmbarer Türeinsätze. So entsteht noch ein Puffer in der Tiefe. Auch die Höhe sollte man nicht unterschätzen. Mit Zapfkopf und Druckminderer (sofern die Gasflasche im Kühlschrank gelagert wird) kommen noch mal einige Zentimeter dazu. Also bitte mit genügend Luft planen. Die Maße der unterschiedlichen Fässer findest du bei Wikipedia. Bei einem Guinness-Fass handelt es sich in aller Regel um ein Euro-Keg mit einem Durchmesser von 408mm. Dein Kühlschrank sollte INNEN also mindestens 41cm Tief und Breit sein. Die Höhe ist abhängig vom Inhalt des Fasses: 30 Liter sind 365mm hoch, 50 Liter-Fässer hingegen 53mm. Das sollte unbedingt beim Kauf des Fasses berücksichtigt werden, denn du kannst das Fass (aus dem oben genannten Grund –> Einbuchtung im unteren Teil) vermutlich nicht direkt auf den Boden stellen, sondern musst von der ersten Bodenplatte aus rechnen.

Bei meiner Rechereche bin ich zum Entschluss gekommen einen Einbaukühlschrank zu verwenden. Dies hat Vor- sowie Nachteile. Ein Einbaukühlschrank ist relativ simpel aufgebaut. Er verfügt über keine zusätzliche Verkleidung und hat vor allem am oberen Teil keine zusätzlichen Arbeitsflächen etc. Man sieht also direkt die Dämmung und weiß somit relativ schnell wo und wie man für die Bastelei ansetzen muss. Da ich aus optischen Gründen eine eigene Arbeitsplatte aus Holz verwenden möchte, wäre eine bereits vorhandene Platte eher hinderlich gewesen. Nachteil ist allerdings die seitliche Optik. Vor allem gebrauchte Kühschränke weisen hier die ein oder andere Macke auf. Außerdem sind deutlich mehr Schrauben und Bohrlöcher zu sehen. Freistehende Kühlschränke bieten sich hingegen an, wenn man keine eigene Arbeitsplatte mehr verwenden möchte. Oft sind die Kühlschränke oben zwar aus Plastik und weiß, sofern einen das nicht stört oder man die Fläche entsprechend anders bearbeitet ist durchaus auch solch ein Kühlschrank sinnvoll. Man spart sich damit auch spätere Überlegungen wie die neue Arbeitsplatte befestigt werden soll…

Ab in die Bucht!

Nachdem wir nun also wissen, welche Art von Kühlschrank es sein soll, machen wir uns auf die Suche danach. Als erstes schaute ich in die üblichen Prospekte der großen Elektronik-Fachgeschäfte. Mir wurde ziemlich schnell klar, dass ich bei meinem Budget nicht auf einen neuen Kühlschrank zurückgreifen kann. Außerdem wäre es fast schon verrückt einen neuen Kühlschrank zu kaufen und in diesen anschließend ein Loch zu bohren. Also ab in die Bucht! Auf EBay-Kleinanzeigen wurde ich schließlich fündig. Ich fand einen gebrauchten Einbaukühlschrank in der richtigen Größe. Mit Innenmaßen von etwa 790mm x 480mm x 440mm (HxBxT) war der Kühlschrank perfekt geeignet um ein 30-Liter KEG-Fass Guinness zu beherbergen und auch noch das zugehörige Equipment aufzunehmen. Von den ursprünglich gemessenen 790mm Höhe konnte aber effektiv nur mit ca. 550mm gerechnet werden, denn die Ausbuchtung des Kompressors macht die unteren 220mm für die Lagerung des Fasses unbrauchbar. Die Höhe kann also erst ab der ersten Einschiebe-Ebene gemessen werden. Für ein 50 Liter Fass wäre daher bereits zu wenig Platz vorhanden!

Ich muss anmerken, dass es deshalb doch etwas Geduld erforderte, den passenden Kühlschrank zu finden. Angebote waren genügend da, allerdings hatten die wenigsten Anbieter die genaue Modellbezeichnung und die Innenmaße in der Anzeige angegeben. Entsprechend musste ich diese erst vom Verkäufer anfordern. Viele antworteten darauf nicht oder konnten mir die Daten nicht nennen. Ein Foto des Typenschildes im oder auf der Rückseite vom Kühlschrank sollte zur Rechereche jedoch ausreichen. Eventuell hast du mehr Erfolg, wenn du dich in den Kleinanzeigen der Tages- oder Wochenzeitung umschaust. Hier hast du allerdings keine Bilder für deine Vorauswahl zur Verfügung.
Mir persönlich war bei der Auswahl darüber hinaus noch wichtig, dass der Kühlschrank einigermaßen sauber war und über eine gute Energieeffizienzklasse verfügte. Ein Kühlschrank ohne Effizienzklasse im B-Bereich frisst zu viel Strom, schließlich kann es durchaus vorkommen, dass du ein Fass nicht an einem Abend leer bekommst und dein Kühlschrank somit im Dauerbetrieb läuft…

Die Grundlage für die Zapfanlage – mein Kühlschrank

Ich will dir meinen Kühschrank mal genauer zeigen. Die ursprüngliche Anzeige war leider nicht mehr abrufbar, weshalb ich dir hier die selbstgemachten Bilder zeige:

Der Kühlschrank direkt nach dem Kauf.

Wie du siehst habe ich einen Einbaukühlschrank ohne Gefrierfach gefunden, der noch dazu einigermaßen sauber war und über die Erergieeffizienzklasse A+ verfügt. Und das alles für gerade einmal 20€!!! Die Anzeige war mit 25€ Verhandlungsbasis geschaltet und nachdem ich mir vor Ort ein Bild davon machte und alles ausgemessen hatte, ging der Verkäufer auf mein Gegenangebot ein. Du siehst, Geduld und Verhandlungsgeschick können dir viel Geld sparen! Die größte Komponente kostete mich im Nachhinein also tatsächlich am wenigsten Geld! Es lohnt sich, entsprechend Zeit in die Suche zu investieren.

Kleine Schönheitsmängel sind bei gebrauchten
Gegenständen zu verkraften – zumal der
Kühlschrank später noch einen neuen „Anstrich“ erhält.

Im Idealfall solltest du darauf achten, dass dein Kühlschrank auch auf die entsprechende Temperatur herunterkühlt. Das hatte ich beim Kauf nicht bedacht. Zum Glück ergab meine Messung dann aber eine Temperatur von 4°C, allerdings bei voller Leistung auf Stufe 7! Das reicht theoretisch für die Kühlung. Praktisch stellte mich das jedoch später noch vor ein großes Problem, für welches ich im Moment noch an einer Lösung arbeite. Hierzu jedoch ein anderes Mal mehr!

Die Oberseite des Einbaukühlschranks.Es
gibt keine Abdeckung, die Dämmung ist
direkt ersichtlich.

Bevor es nun weitergehen konnte, musste der Kühlschrank zuerst noch saubergemacht werden. Hierfür eigneten sich super ein Schmutzradierer und eine alte Zahnbürste. Schmutzradierer findet ihr in jeder gut sortierten Drogeriekette. Sie sind in meinen Augen ein Wundermittel. Wir haben damit schon alles gereinigt! Ein Spritzer Wasser genügt und ihr bekommt alles wieder blank! Viele Haushalte wissen nicht, dass ein Kühlschrank über eine Abtropfschale verfügt, in welche das überschüssige Tauwasser des Kühlschranks und andere Dinge abfließen. Hier wurde die Angelegenheit etwas eklig. Die Vorgänger hatten den Kühschrank zwar bereits geputzt, allerdings wussten sie wohl auch nichts von dieser Schale, welche sich auf der Rückseite neben dem Kompressor befindet:

Nicht besonders ansehnlich: Die Abtropfschale auf der Rückseite des Kühschranks musste noch gereinigt werden.

 
Die Vorbesitzer hatten ihn zwar geputzt, jedoch nicht allzu gründlich.

 
Von Innen ganz ok: Der Kühlschrank bietet genügend Platz, muss jedoch erst noch gereinigt werden.

 
Mit der Zahnbürste und einem Schmutzradierer ging es ans Eingemachte!

 
Nicht gerade sehr appetitlich: Die Abtropfschale wurde mit heißem Wasser und Fettlöser sauber gemacht.

Der Kühschrank roch in der Folge etwas gewöhnungsbedürftig. Nachdem ich die Schale jedoch mit heißem Wasser von diversen Fettrückständen etc. befreien konnte, sah der Kühlschrank wieder aus wie neu. Ein paar Tage auslüften taten das Übrige:
 

Die Abtropfschale nach der Reinigung: Fast wie neu!

 
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Abtropfschale und Kompressor sind wieder sauber!

 
Der Kühlschrank ist einsatzbereit.

 
Der Kühlschrank war also soweit vorbereitet, dass ich mit dem Bohren starten konnte. Wie genau ich dabei vorgegangen bin und welche Hilfsmittel ich hierfür besorgen musste, erfährst du im nächsten Beitrag. Bis dahin würde mich jedoch interessieren: Welche Art von Kühlschrank würdest du bevorzugen? Freistehende oder Einbaukühlschränke? Kennst du Hausmittel um einen gebrauchten Kühlschrank richtig sauber zu bekommen? Und welche Anlaufpunkte kennst du sonst noch für die Schnäppchenjagd? Schreibe mir in die Kommentare! Ich und alle anderen Interessierten freuen sich riesig darüber!

Für die weiteren Beiträge will ich hier eine Tabelle einfügen, auf welcher meine Ausgaben für dich immer nachvollziebar sind. So hast du immer die volle Transparenz und Kostenübersicht für das Guinness-Projekt:

Kosten Zapfanlage selbstgebaut Guinness selbstgezapft

Bis zum nächsten Mal und liebe Grüße

Oli

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