Bier selbst zapfen

Vom Fass ins Glas: Die Rahmenbedingungen für das Projekt „Guinness-Zapfanlage bauen“

„Eine eigene Zapfanlage bauen!“ – Das war mein Gedanke! Und falls du auch mit dem Gedanken spielst, könnte der folgende Beitrag für dich interessant sein. Hier wird dir alles Nötige beschrieben, was du für die Planung und Durchführung benötigst und welchen finanziellen Rahmen du ansetzen solltest…

Von teuer bis sauteuer – zum Kaufen gibt es viele!

Nachdem die Beweggründe für mein Projekt „Guinness-Zapfanlage“ im letzten Beitrag ausführlich erklärt wurden, widmet sich der heutige Beitrag den Rahmenbedingungen des Projektes. Hierzu werden erste Überlegungen erläutert, der Kostenrahmen abgesteckt und Besonderheiten beschrieben. Eine Liste mit Materialien wird ebenfalls aufgeführt.

Bei meinen ersten Überlegungen zu einer eigenen Zapfanlage habe ich mich an Zapfanlangen orientiert, welche man bereits fertig kaufen kann. Dass ich auf die Idee kam eine solche Zapfanlage selbst zu bauen ist angesichts der Preise für Komplett-Anlage sicher nicht mehr verwunderlich! Zwischen 700-1.900EUR kann man schnell mal für eine solche Anlage berappen. Für mich deutlich zu viel! Aber ich kann euch versichern: es geht auch günstiger!

Eine Zapfanlage kann auf zwei Arten aufgebaut sein. Es gibt Zapfanlagen mit Durchlaufkühler und Zapfanlagen mit Fassbierkühlschrank. Sicherlich gibt es noch weitere Arten und Varianten – vor allem in der Gastronomie werden häufig verschiedene Komponenten miteinander kombiniert. Für unsere Heim-Zapfanlage wird ein Kühlraum im Keller in Kombination mit einer isolierten Getränkeleitung ins Wohnzimmer wohl eher die Seltenheit sein.

Durchlaufkühler vs. Fassbierkühlschrank – Was ist das richtige für mich?

Ein Durchlaufkühler zeichnet sich dadurch aus, dass das angeschlossene Bierfass nicht vorgekühlt werden muss. Der Durchlaufkühler kann als Trockenkühler oder Nasskühler aufgebaut sein. Vereinfacht gesagt, wird der Trockenkühler an das Stromnetz angeschlossen und kühlt das Bier beim „durchlaufen“ des Gerätes mithilfe einer Kühleinheit auf die vorher eingestellte Temperatur. Ein Nasskühler arbeitet mit einer in die Maschine einfüllbaren Flüssigkeit, meist Wasser, welche im Gerät heruntergekühlt wird. Das Bier durchläuft eine Kühlspirale, welche sich in der Flüssigkeit befindet und kühlt dabei ab. Wenn ihr mehr über das Thema erfahren wollt, kann ich euch diesen Artikel von Jörg Krüger im Braumagazin empfehlen. Durchlaufkühler haben ihren Preis. Außerdem sind sie ohne Umbau nicht für das Zapfen von Guinness geeignet. Komplett-Sets starten preislich bei ca. 320EUR. Der Umbau auf eine Guinness-Zapfanlage schlägt in etwa mit weiteren 130-150EUR zu buche.

Fassbierkühlschränke haben je nach Aufbau diverse Vor- und Nachteile im Vergleich zum Durchlaufkühler. Durchlaufkühler sind in der Regel transportabel. Entscheidet ihr euch für einen Einbaukühlschrank, entfällt dieser Vorteil. Wie man einen Einbaukühlschrank jedoch transportabel machen kann, erfährst du in den nächsten Wochen.
Der Vorteil eines Fassbierkühlschranks liegt in meinen Augen beim einfacheren Aufbau, dem günstigeren Preis (zumindest bei Marke „Eigenbau“) und dem hübscheren Design. Einen Durchlaufkühler ansehnlich zu gestalten, ist eine Herausforderung für sich, es sei denn, man steht auf den reinen polierten Edelstahl-Look. Der Nachteil liegt sicherlich in der Bierkühlung. Man benötigt einen leistungsstarken Kühlschrank, welcher über genügend Fassungsvermögen für ein 30 bzw. 50-Liter Fass verfügt. Sofern das Fass nicht durch den Lieferanten vorgekühlt wird, sollte das Fass einige Tage im Kühlschrank auf die entsprechende Temperatur (bei Guinness ca. 4°C) heruntergekühlt werden. Das kostet Strom, ist zeitaufwendig und sollte bei der Planung berücksichtigt werden. Was man für einen selbstgebauten Fassbierkühlschrank alles benötigt, das wird im Folgenden erläutert.

Was wird benötigt?

Da sich der Aufbau unserer selbstgebauten Zapfanlage an denjenigen orientiert, welche es zu kaufen gibt, lässt sich auch die Liste der benötigten Komponenten aus diesen Komplett-Sets herauslesen. Wir benötigen:

Grundmaterialien:

– Ein Kühlschrank mit genügend Fassungsvermögen für ein 30 bzw. 50-Liter Fass
– Eine Bierleitung, eine Biergas-Leitung und entsprechendes Verbindungsmaterial
– Einen Stickstoff-Druckminderer (unterscheidet sich von CO2-Druckminderern)
– Ein Zapfkopf vom Typ U
– Eine Zapfsäule
– Einen Zapfhahn

Verbrauchsmaterialien:

– Eine Flasche mit Biergas (Mischung aus Stickstoff und CO2)
– Ein Fass Guinness (30 bzw. 50-Liter)

Werkmaterialien:

Bevor ich hier jedes benutzte Werkzeug einzeln aufführe, sei darauf verwiesen, dass sich die komplette Zapfanlage grundsätzlich mit einem durchschnittlich bestückten Werkzeugkasten montieren lässt. Darüberhinaus benötigt ihr:

– Eine Bohrmaschine
– Ein Lochbohr-Aufsatz (hierauf wird im nächsten Beitrag genauer eingegangen werden)

Auf alle in dieser Liste benötigten Komponenten werde ich in einzelnen Beiträgen genauer eingehen. So kann beispielsweise die Wahl des richtigen Kühlschranks über Erfolg oder Misslingen des Projektes entscheiden. Außerdem erhältst du Tipps, wo ich welche Teile besorgt habe und wie man den ein oder anderen Euro sparen kann.

Der Kostenfaktor

Eine wichtige Frage ist sicherlich die nach den Kosten. Was kostet eine solche Anlage denn nun? Die Antwort ist: …das kommt drauf an…! Je nach Grad der Eigenleistung und den verwendeten Materialien sowie Präferenzen kann eine solche Zapfanlage im Preis erheblich schwanken. Ich habe bei meiner Recherche von Komplett-Zapfanlagen „Marke Eigenbau“ für 30EUR gelesen – allerdings nicht guinnesstauglich! Eine Grenze nach oben gibt es vermutlich gar nicht. Daher will ich im weiteren meine Berechnungen offenlegen, welche ich aufgrund meiner Recherchen für mein Projekt angesetzt habe. Dabei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass für mich neben der Funktionalität auch die Optik eine wichtige Rolle spielt. Daher wird das ein oder andere Produkt auf meiner Einkaufsliste landen, welches nicht unbedingt für eine funktionstüchtige Zapfanlage benötigt wird. Daneben nehmen noch weitere optionale Bestandteile Einfluss auf die Kosten:

Die Zapfanlage soll

– beweglich sein,
– transportabel sein (hierfür ist es notwendig, dass sich die Zapfsäule demontieren lässt),
– farblich zum Thema „Guinness“ passen und
– über einen Original Guinness-Zapfhahn verfügen.

Unter Berücksichtigung all dieser Voraussetzungen habe ich mir eine Obergrenze von 300EUR für die komplette Anlage gesetzt. Ich kann jetzt schon sagen, dass dieses Ziel aufgrund bestimmter Ereignisse, auf welche ich in den jeweiligen Beiträgen eingehen werde, nur schwer realisiert werden wird. Ich halte 320 bis 350EUR für realistisch. Verzichtet man auf die eben genannten Dinge, wie z.B. einen Original Guinness-Zapfhahn oder farbliche Abstimmung, ist eine Obergrenze von 300EUR definitiv realistisch. Nicht mit eingerechnet sind dabei jedoch die Verbrauchsmaterialien (Fass und Biergas).

Nachdem nun die Rahmenbedingungen geklärt sind, werden im nächsten Beitrag den einzelnen Arbeitsschritte geplant. Dabei werden erste Vorbereitungen für den Aufbau getroffen und ich gebe euch Tipps zur Teile-Recherche, damit das Kostenziel nicht schon zu Beginn in Gefahr gerät…

Bis dahin!

Slàinte!

3 Kommentare

  1. Hallo,

    keine schlechte Idee zu diesem Thema ein Angebot zu machen! ich habe derzeit einige Kegs mit IPA und Ales auf dem Balkon stehen und habe diese an einen CO2-Verteiler angeschlossen. Leider konnte ich bisher eine richtige Kühlung nicht realisieren.

    Problem ist, dass ich trotz CO2-Flasche nicht genügend Kohlensäure ins Bier bekomme. Obwohl ich den Spunddruckrechner von MaischeMalzUndMehr benutze. Nun lese ich, dass Stickstoff N2 die Lösung sein kann. Was muss ich beim Kauf beachten? Lohnt sich eine eigene Flasche oder ist eine Pfandlösung vom lokalen Gashändler besser? Ich habe zwar eine kleine Abfüllanlage, zapfe aber gerne abends – wie jetzt – mein Bier direkt aus dem Keg. Dafür habe ich einen Zapfhahn, der direkt auf dem Keg montiert ist. Ich brauche also keine komplette Anlage, ich möchte nur genügend „Moussierendes“ in meinem Glas. Was empfiehlst Du?

    LG
    Radulph

    1. Lieber Radulph,

      vielen Dank für dein Interesse an meinem Blog und für deine Frage.

      Das Wichtigste, was man beim Kauf von N2/CO2-Flaschen beachten sollte ist, dass die Flaschen deutlich teurer sind als Standard CO2-Flaschen. Du kaufst für deine Zapfanlage auch kein reines N2 sondern eine Mischung (auch Biergas oder Biogon genannt). Damit gehen in der Folge mehrere Probleme einher:

      1. Die Biergas-Flaschen haben in der Regel ein anderes Gewinde und passen deshalb nicht auf deinen Standard-CO2-Druckminderer. Es muss also (sofern du nicht einen Händler findest der bereit wäre eine CO2-Flasche mit N2/CO2 zu befüllen) ein neuer Druckminderer angeschafft werden.

      2. Gebrauchte oder leere Flaschen auf Ebay etc. zu finden war für mich leider nicht möglich und ich musste also eine neue Flasche kaufen. Nach meinen Recherchen und diversen Anfragen bei Getränkehändlern sind diese leider nur sehr widerwillig bereit, N2-Flaschen als Pfandflaschen rauszugeben. Hintergrund ist wohl das hohe Pfand, welches die Getränkehändler hinterlegen müssen. Bei Pubs ist der Verbrauch entsprechend hoch und sie können sich sicher sein, dass die Flasche in kurzer Zeit ihren Weg wieder zurück findet. Bei Privatpersonen wird dieser Verbrauch bei weitem nicht erreicht, was mich auch zum nächsten Punkt bringt…

      3. Eine Größe von 2 Litern sollte für den Privatgebrauch durchaus ausreichend sein. Die Flasche ist so klein, dass man sie ggf. auch in den Kühlschrank bekommt. Daneben ist sie noch bezahlbar. 2 Liter reichen nach meinen Recherchen wohl für ca. 400 Liter gezapftes Gold. Im Internet habe ich einen Händler gefunden der diese Flaschen für 89,99€ inkl. Füllung verkauft. Eine reine Befüllung kostet dann bei mir in der Gegend zwischen 25-40€, allerdings habe ich das noch nicht gebraucht. Beim Verleih wirst du vermutlich nur 5 Liter Flaschen und aufwärts finden. Die Frage ist ob das noch verhältnismäßig ist.

      4. Ein weiterer Punkt ist dann noch, dass es mit dem reinen Biergas wohl nicht getan ist. Das du beim Guinness und Kilkenny den schönen Schaum bekommst, benötigst du noch einen Zapfhahn mit Cream-Plate. Dabei handelt es sich um eine kleine Einlegescheibe im Zapfhahn, welche das Bier furch fünf Löcher presst und es damit nochmal aufkarbonisiert (hoffe ich habe das richtig erklärt). Wie dein Ergebnis ohne diese Platte aussieht, kann ich dir nicht sagen. Vielleicht weiß der ein oder andere Leser mehr und möchte sich gerne an dieser Diskussion beteiligen.

      Es würde mich freuen wenn du dich auch aktiv im Forum einbringen möchtest. Zum Beispiel indem du uns deinen Aufbau einfach mal vorstellst. Gerne kannst du auch zur weiteren Diskussion deiner Frage einen eigenen Thread eröffnen. Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen.

      Liebe Grüße und viel Erfolg beim Zapfen!

      1. Hallo,

        Ich habe einen normalen Durchlaufkühler umgebaut und ihn mit einem Guinnesszapfhahn
        ( mit dem Lochblättchen ) versehen. Als Gas verwende ich 75 % N2 / 25 % CO2 .
        Die Mischung wird auch im PUB verwendet. Kann so gemischt fertig gekauft werden.
        Wichtig dabei ist, dass das Fass richtig kalt ist.
        Meine Pints sind so cremig wie in einem PUB
        Sláinte
        Jürgen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere